1. Yokomo (03)

Nun schien er in greifbare Nähe gerückt zu sein, dass er auf seiner Suche noch auf Wesen getroffen war so wie Alpha hatte ihn dennoch verwundert, da auch er immer weniger von ihnen zu Gesicht bekam, irgendetwas schien sie auszurotten und es waren nicht die Menschen. Er war sich sicher dass Yokomo auch diesen Bann-Talisman in diesen Wald gelegt hatte und zwar als Falle, doch war Yokomo wirklich so dumm, zu glauben Zerophes würde darauf reinfallen. Zerophes hatte dem in den Talisman eingesperrten Dämon bereits die Kraft entzogen doch wusste er noch immer nicht um was für einen Dämon es sich gehandelt hatte, er war recht schwach und seine Energie war nur von kurzer Dauer gewesen. Doch wie hatte Yokomo ihn in diesen Talisman gebannt? War er doch klüger als Zerophes angenommen hatte, nichts desto trotz musste er die Sache zu Ende bringen, Yokomo war ein sehr starker Dämon und seine Macht würde von großem Nutzen sein, dem war sich Zerophes sicher. „Gibt es eine Möglichkeit meinem Schicksal zu entgehen?“ fragte Alpha als er merkte dass sich Zerophes wieder ihm zugewandt hatte. Langsam ritt Zerophes in dem selben Tempo dass der Wagen vorgab durch die Landschaft, sollte er diesem armseligen Wesen noch einmal eine Chance bieten? Sofern er keinen Nutzen daraus ziehen konnte war es für ihn ohne Belang auch nur einen Moment länger dieser Kreatur in Menschenform zu widmen, doch da kam ihm ein seltsamer Gedanke. „Wie viel ist es dir dieses mal wert?“ fragte Zerophes. „Meine Freiheit?“ antwortete Alpha.
Der Konvoi erreichte die Siedlung, Zerophes ritt an die Spitze um mit dem Anführer zu sprechen. Ein recht hünenhafter Bursche, über und über beladen mit Fellen aller Art und sein Kopf wurde von einem schweren, prachtvollen Helm geschützt. „Ihr schon wieder?“ war seine etwas kühle Begrüßung als er Zerophes erkannte. „Ich störe euch ungern aber ich habe wohl oder übel ungute Nachrichten für euch.“ Der Anführer der Truppe stieg von seinem Ross und so tat es ihm Zerophes gleich und beide gingen zusammen mit einer kleinen Gruppe von Elitesoldaten in ein vor der Siedlung aufgestelltes Zelt. Der Anführer ließ sich auf einen thronartigen Stuhl nieder der in der Mitte des Zeltes bereitstand, während sich die Soldaten hinter Zerophes vor dem Ausgang des Zeltes in einer Reihe aufstellten. „So, was für Nachrichten sind das also?“ fragte ihn schließlich der Anführer, heftig and seinem Bart kratzend. Zerophes widerte das Getue dieses Menschen an, jede Konversation die er mit diesen Menschen führen musste war ihm mehr und mehr ein Dorn im Auge, insgeheim schwor er sich diesen Mann seiner Macht zu entheben, wie, das wusste er schon ziemlich genau und fuhr mit seiner Hand unbewusst über den Haft seines Schwertes das er am Gürtel trug. „Nun ja, dieser Gefangene, den wir im Wald aufgelesen haben, ich glaube er ist nicht der Einzige der an dieser Sache beteiligt gewesen ist, ich glaube er ist nichts mehr als ein Handlanger, das heißt also, dass dem Verschwinden der Weidetiere damit wohl kein Ende gesetzt worden ist, solange wir nicht den Anführer hinter dieser Sache erwischen.“ Der Anführer vor ihm hob skeptisch eine Braue. „Wie seid ich euch dem plötzlich so sicher?“ fragte er schließlich. „Ich konnte einiges aus dem Gefangenen herausquetschen.“ „Ach? Jetzt auf einmal spricht er, ich dachte ihr hättet schon alles mit ihm versucht und konntet nichts aus ihm herausbekommen?“ „Wie es aussieht hat er sich geändert.“ Zerophes ballte eine Faust hinter seinem Rücken, ihm war klar dass die Wachen hinter ihm standen doch was sollten sie aus dieser Geste deuten? Zerophes versuchte stets wie ein Mensch unter Menschen aufzutreten, doch widersprach ihm jemand so musste er sich dennoch zügeln um nicht doch handgreiflich zu werden. „Was also soll mit ihm geschehen?“ antwortete der Anführer nach einem Becher auf einem Beistelltisch greifend. „Ich würde ihn noch nicht dem wütenden Volk übergeben, hinrichten können sie ihn noch immer, aber vielleicht kann er uns zu dem Anführer bringen, dann könnten wir diesem ganzen Schrecken ein Ende setzen.“ „Gut wie ihr wollt, seht zu ob ihr noch etwas aus ihm herausbekommt und falls ja, setzt mich darüber in Kenntnis.“ Zerophes nickte und drehte sich auf der Stelle um und verließ das Zelt, kaum einen Augenblick später trat einer der Soldaten nach vorne um mit dem Anführer zu sprechen. „Ich sage euch Herr, traut diesem Mann nicht.“ „Dass tue ich auch nicht, aber er hat uns bis jetzt recht praktikable Dienste geleistet. Sobald er mir lästig wird lasse ich ihm den Kopf abschlagen und das Problem ist beseitigt.“
Zerophes stieg wieder auf sein Pferd und ritt zurück zu dem Wagen, eine Gruppe von Soldaten wollte gerade den Verschlag mit dem Gefangenen vom Wagen laden. „Los ihr da, bringt mir ein Pferd.“ Sagte Zerophes zu ihnen. „Wieso das denn?“ „Stell’ keine dummen Fragen, euer Anführer hat soeben entschieden, dass dieser da noch nicht hingerichtet wird.“ Als Alpha diese Worte vernahm fühlte er sich doch ein wenig erleichtert. Die Soldaten zogen ab, kurz darauf kam einer von ihnen mit einem Pferd an den Zügeln führend zurück. „Es wird Zeit dass wir eine kleine Reise unternehmen.“ Sagte Zerophes zu Alpha und ließ ihn aus dem Verschlag, dieser ließ sich am Rand des nun verlassenen und ohne Lasttiere zurückgelassenen Wagens nieder. Zerophes stieg aus dem Sattel und führte das zweite Pferd an den Zügeln zum Wagen. „Ich kann mich noch nicht einmal wie ein Mensch fortbewegen, da soll ich nun auf dieses Tier steigen?“ fragte Alpha etwas entsetzt. „Los steh auf!“ Brüllte Zerophes förmlich und Alpha erhob sich so als würde ihn eine unsichtbare Macht nach oben ziehen, unbewusst wie es schien, stand er da, so als wäre es die normalste Sache der Welt und keine Spur von Unsicherheit. „Was machst du mit mir?“ fragte ihn Alpha, während er seine ersten Schritte tat, die keineswegs unbeholfen waren, auf einmal konnte er sich fortbewegen wie diese Menschen. „Du hinterfragst meine Fähigkeiten? Die bloß äußerlich in einen Menschen zu verwandeln reichte bei weitem nicht aus.“ Antwortete Zerophes. „Und nun beeil dich, wir haben noch einiges zu erledigen, dass du hier nach wie vor lebendig herum läufst hast du mir zu verdanken. Jetzt steig auf dieses Pferd.“ Alpha ergriff die beiden Enden des Sattels. „Ich kann das nicht.“ Zerophes griff nach seinem Schwert, die Schneide glänzte in der Sonne wie ein gefrorener Fluss. „Entweder du lernst es jetzt oder ich sorge dafür dass du es nie wieder lernst!“ Alpha vermied nach wie vor seinen Blick, er wusste wie Dämonen handelten und dass sie wenn nötig kurzen Prozess machten. Mit einem Satz schwang sich Alpha nach oben und landete im Sattel, beinahe riss ihn der Schwung wieder auf der anderen Seite nach unten, doch es gelang ihm sich zu halten. „Du bist nach wie vor ein Wesen, jediglich deine Gestalt hat sich geändert, mir fehlt trotz dem Gedanken ein recht mächtiger Demon zu seine diese eine Fähigkeit die die Wesen besitzen, die Fähigkeit mit allen Kreaturen zu kommunizieren. Deshalb müsste es dir ein leichtes sein dieses Pferd zu steuern.“ Alpha streichelte sanft den Nacken des Pferdes. „Ich dachte ich sei ein Mensch durch und durch?“ „Nein das bist du nicht, du wirst auch die Fähigkeit erlangen dich wieder in deine alte Gestalt zu verwandeln, sofern es für mich von Nutzen ist. Ich könnte vielleicht öfter einen Diener dieser Art gebrauchen.“ Diese Antwort war klar, Dämonen handelten immer nur zu ihrem eigenen Zweck. Und tatsächlich, Alpha konnte die Stimmen der Kreaturen nach wie vor verstehen, diese Fähigkeit behalten zu haben ließ ihn aufatmen, vielleicht konnte er diesem ganzen Alptraum dennoch entgehen, auf irgendeine Weise. Zerophes wandte sich zusammen mit seinem Pferd um und wollte bereits losreiten als er bemerkte dass Alpha erneut abstieg. „Was ist denn nun?“ Alpha nahm wortlos den Sattel vom Rücken des Pferdes, danach nahm er ihm auch noch die Zügel ab. „Dies alles werde ich nicht brauchen.“ „Mir egal, auf jeden Fall beeil dich, ich weiß nicht wann es sich dieser Anführer anders überlegt und dich doch noch hinrichten lassen will, aber dann rette ich dir nicht deinen Hals!“ Schließlich ritten beide los, Alpha musste nichts weiter tun, er hielt sich jediglich an der Mähne des Pferdes, dieses folgte ohne Umschweife dem Pferd von Zerophes so wie es ihm Alpha gesagt hatte. Beide ritten eine Weile über verschneite Felder ehe sie einen Waldrand erreichten, doch etwas stimmte ganz und gar nicht. Plötzlich hielten sie an und Zerophes sprang von dem Rücken seines Pferdes und untersuchte den Boden. Langsam tastete er nach Spuren und ging weiter seinen Blick stets auf den Boden gerichtet, als er hinter einer kleinen Hügelkuppe verschwand entschied sich Alpha ihm zu folgen, eine Flucht wäre sinnlos gewesen, Zerophes würde ihn jederzeit finden und einholen. Hinter der Kuppe bot sich beiden ein schrecklicher Anblick, die Reste eines zerfleischten Büffels hatten den Schnee in eine seltsam dunkle Farbe getaucht. Einige Vögel und Füchse hatten sich daran zu schaffen gemacht doch waren geflüchtet als sie Zerophes näher kommen sahen. Zerophes kniete sich vor den Kadaver und betrachtete ihn genau, Alpha zog es vor etwas entfernt davon zu bleiben. „Wessen Werk ist das?“ fragte er. „Yokomo, falls dir dieser Name etwas sagt.“ Alpha überlegte, doch er konnte nichts mit diesem Namen anfangen. „Habe ich noch nie zuvor gehört.“ Zerophes erhob sich erneut und blickte nach Osten. „Yokomo ist ein Dämon, er schart massenweise Werwölfe als seine Diener um sich, seine ganze Sippe ist auf der Welt weit verbreitet, doch er selbst hält sich im Verborgenen.“ „Wozu müssen wir ihn finden?“ frage Alpha, „Weil er ein Dämon ist, ich bin auf der Suche nach allen möglichen Dämonen, um ihnen das zu rauben was ihnen am allerwichtigsten ist, ihre Macht.“ Mit diesen Worten wandte sich Zerophes ab und stieg erneut auf den Rücken seines Pferdes. „Ich glaube, dass er etwas mit dem Bann-Talisman zu tun hat, der dich zu deiner Tat getrieben hat.“ Alpha ballte unweigerlich die Faust, wenn es das Werk dieses Dämons war, dann hatte auch er einen Grund ihn zu finden, vielleicht würde dies seinen Schmerz lindern. Beide ritten erneut los, als ein kalter Wind über die Ebene strich und das Wetter sich zu verschlechtern schien. Alpha fror am ganzen Leib, die wenigen Sachen die er trug waren kaum Schutz gegen die Kälte und von seinem einstigen dicken Fell und den Flügeln die er sonst nutzte um sich gegen den Wind zu schützen war nichts geblieben. Er zitterte und versuchte seine Hände irgendwie vor der Kälte zu schützen, Zerophes hingegen war mit dicken Fellbesetzten Schulterplatten und einem Fellmantel gut gegen die Kälte gewappnet, doch auch er trug keine Handschuhe, aus einem wichtigen Grund, seine Hände verrieten ihm mehr als das was ihm sein Auge aus Spuren verraten konnte. Plötzlich hielten sie apprubt an, ohne ein Wort sprang Zerophes von seinem Ross und lief mit gestreckten Schritten zu einer großen Eiche am Waldrand. Seine rechte betastete den Stamm, währen seine Linke auf den Griff seines Schwertes sank. Rundum war reinster Fichtenwald, oder zumindest rein aus Nadelgehölz bestehender Wald, doch hier, hier stand diese Eiche, so ganz fehl am Platz. Alpha beobachtete ihn ohne vom Pferd zu steigen, er fühlte sich beinahe erstarrt, die Kälte schien ihn in einem Würgegriff zu halten und er konnte sich kaum mehr bewegen. Zerophes umrundete indessen den Stamm des kahlen Baumes, seine Augen geschlossen, seine Rechte folgte jeder Erhebung der Rinde als er plötzlich inne hielt und die Augen aufriss. Da war etwas, er sah es sich näher an, jemand schien etwas in die Rinde des Baumes gekratzt zu haben, seltsame Schriftzeichen, doch er hatte sie schon irgendwo gesehen. Er holte das Bann-Amulett aus seinem Beutel am Gürtel und drehte es um, auf der Rückseite waren exakt die gleichen Zeichen eingekerbt. „Yokomo ist ganz in der Nähe, das kann ich spüren.“ Sagte er schließlich und ging schnellen Schrittes zu den Pferden zurück. „Was ist los!“ brachte Alpha zitternd hervor. „Wir müssen zu Fuß weiter, der Wald ist zu dicht für die Pferde.“ Zerophes kramte in den Satteltaschen seines Pferdes und warf Alpha etwas zu. „Hier zieh das hier an, du musst mich begleiten, vielleicht musst du einige Tiere für mich befragen.“ Alpha legte den Fellmantel und die dazugehörigen Handschuhe an und folgte Zerophes. Beide banden die Pferde hinter einem schützenden Felsen an einige niedrige Büsche und gingen schließlich in den Wald. Der Wald war so anders als jener in den Alpha zuvor mit seiner Schwester gewesen war, er war unheimlich dicht bewachsen und es schien fast so als wollten die Pflanzen sie zurückhalten. Alpha blickte bei jedem Schritt nach rechts und links, er horchte, doch er vernahm nur das Rauschen des Windes, sein Gehör, ja alle seine Sinne waren so schwach geworden, dass er sich beinahe benebelt fühlte. Zerophes ging vor ihm, wie ein dunkler Schatten wandelte er durch den Wald, eine Hand nach vorne gerichtet so als würde er wie ein Blinder durch die Luft tasten, die andere immer auf dem Griff seines Schwertes ruhend. Plötzlich vernahmen beide ein Geräusch, ein gebrochener Ast, Zerophes wandte sich um und sah zuerst Alpha an, dann an ihm vorbei. „Wir werden verfolgt.“ Alpha sah sich rasch um und versuchte in dem Dickicht etwas auszumachen, doch er konnte nichts erkennen, währenddessen wandte sich Zerophes wieder nach vorne. „Diese Narren, genau das ist es was ich wollte.“ Mit einem metallischen Klirren zog Zerophes sein Schwert und Alpha erschrak dabei zusehens. Er wollte etwas sagen, doch irgendetwas hinderte ihn daran, Zerophes hatte ihn zuvor angeblickt, dass konnte alles mögliche bedeuten, wie er wusste genügte ein Blick von ihm um ihn zum Schweigen zu bringen. Zerophes sah gespannt nach vorne, sein Schwert langsam senkend. „Sie sind mutiger als ich dachte und doch sind sie nur jämmerliche Kreaturen, Skalven eines noch schwächeren Dämons!“ sagte er, mit einer immer lauter werdenden Stimme. Dann wurde es plötzlich still, so als hätte jemand den Wind wie wenn man ein Fenster schließt weggesperrt. Mit einer raschen Bewegung wandte sich Zerophes zu Alpha um und schwang sein Schwert in der Rechten über seinen Kopf hinweg, Alpha stürzte zu Boden als hätte ihn eine Unsichtbare Macht zu Boden gerissen, dann vernahm er ein seltsames Knurren, das immer mehr wurde so als würde sich etwas um sie scharen, da bemerkte er dieses dunkle etwas dass da neben ihm auf dem Schnee lag, etwas schien sich von diesem Ding auszubreiten, immer weiter, eine dunkle Masse, Alpha wich unweigerlich zurück, und beobachtete es erstarrt, als die dunkle Masse schließlich das Licht erreichte welches durch die Bäume drang, sah er dass es Blut war. Da spürte er wie ihn diese Macht die ihn zu Boden zu zerren schien sich löste und er sah sich um, das was da lag war ein Wolf, oder zumindest sein Körper, denn der Kopf des Tieres lag etwa zwei Schritte davon entfernt, Zerophes hatte ihn feinsäuberlich von dessen Körper getrennt. Alpha erkannte nun dass sie umzingelt waren, leuchtende Augen starrte sie aus den Schatten der umliegenden Bäume an. „Wölfe!“ hauchte Alpha, unbewusst. Er kannte diese Tiere nicht als Feinde, nie zuvor hatten sie ihn je angegriffen oder sich ihm gar genähert. „Falsch geraten…“ antwortete Zerophes „… Wölfe ja, aber keine gewöhnlichen, aber auch nicht stärker als die üblichen.“ Das Knurren rundum wurde lauter. „Du wagst es!“ drang es aus dem Schatten. Sie konnten sprechen! Alpha konnte zwar die Stimmen der Tiere verstehen, doch dies war keine Tiersprache, das waren Menschenworte.

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