| 1. Yokomo (02)
Der Mann ritt indessen immer schneller, den er vernahm ein weiteres Geräusch die anderen Männer aus dem Wald schienen den Schrei ebenfalls gehört zu haben und verfolgten ihn. Alpha sah auf Omega herab, der Schnee rundum war in tiefes Rot getaucht, sie war tot, doch nach wie vor gab es nichts was er tun konnte, da öffnete die Kreatur seinen Schnabel und sein ganzer Körper begann zu leuchten, er schien Omega einzusaugen, mit einem roten Leuchten verschwand ihr Körper und nur ein blutiger Fleck im Schnee blieb zurück, just in diesem Moment trat der Mann auf den Hügel. Alpha sah in seine Augen, da zwang ihn dieses etwas dass von ihm Besitz ergriffen hatte auch schon dazu ihn zu attackieren, doch etwas stoppte ihn. Der Mann hielt etwas vor seine Augen, es war das Amulett aus dem Schnee. Gebannt starrte Alpha auf das Amulett während der Mann seltsame Worte sprach. Da schien sich sein Körper zu lösen und seine Krallen die in der Luft erhoben zitternden um nach dem Mann zu schlagen sanken zu Boden. Seine gespreizten Flügel senkten sich und so sackte er zusammen und sank in den Schnee zu den Füßen des Mannes. Er starrte nach oben, sein Blick noch immer auf die Augen jenes Mannes gerichtet, Tränen liefen über seine Wangen und der Schmerz der in ihm brannte war unerträglich, noch immer sah er die Bilder vor Augen, wie seine Krallen seine geliebte Omega in Stücke gerissen hatten. Der Mann sah ihn eine Weile an, Alpha rührte sich nicht, sondern atmete schwer, Träne um Träne lief über seine Wangen und versank im Schnee. Da kniete sich der Mann vor ihn und wickelte langsam den Schal von seinem Gesicht. Er besaß einen finsteren Blick, seine Augen schienen förmlich in einem grünlichen Licht zu leuchten, Alpha schien zu spüren, dass er nicht das war wofür er ihn hielt, er schien zu spüren dass dieser Mann kein Mensch war. „Beruhige dich.“ Sagte der Mann zu ihm. „Ich werde das Geheimnis der Wesen zu hüten wissen doch ich verlange ein Preis dafür.“ Alpha konnte diesem Mann nicht ganz folgen, noch immer bebte sein Körper und er konnte noch immer nicht realisieren was er gerade getan hatte. Da vernahmen beide ein Getöse, etwas entfernt. „Sie kommen, und sie werden dich gefangen nehmen wenn sie dich hier finden.“ Sagte der Mann. „Bist du bereit einen gewissen Preis für die Erhaltung des Geheimnisses um die Wesen zu bezahlen?“ Alphas Blick wanderte zurück an die Stelle wo Omega gelegen hatte, der blutige Schnee sah in der dunklen Nacht wie ein tiefes schwarzes Loch aus. „Was für ein Preis.“ Brachte er schwach hervor und jedes Wort schien ihm mehr und mehr Kraft zu kosten. „Deine Freiheit, deine Freiheit ist der Preis.“ Die Männer kamen immer näher, Alpha versuchte sich zu bewegen doch er war gelähmt, so hatte ihn diese Attacke geschwächt. Er konnte nicht fliehen, es gab keine andere Wahl, und so nickte er. Der Mann stand auf und nahm etwas aus dem Beutel an seinem Gürtel, es war eine kleine Schriftrolle. Er entrollte sie langsam und begann die Worte darauf vorzulesen, flüsternd, nach einigen Worten rollte er sie während er sprach wieder zusammen, er schien den Rest auswendig zu wissen, nachdem er die Rolle zurück gesteckt hatte erhob er beide Hände noch immer sprechend, über Alpha bis er den Satz zu Ende gesprochen hatte. Doch es war als wäre nichts geschehen. Kaum einen Moment später trafen die drei anderen Männern mit ihren Pferden auf dem Hügel ein, alle starrten sie gebannt auf Alpha und den anderen Mann. „Ich habe einen Schrei gehört, da habe ich ihn gefunden, es scheint mir fast so als hätte er einen Kampf mit einem Wolf gehabt.“ Sagte der Mann neben Alpha und zeigte auf den Blutfleck. Die drei Männer nickten und stiegen von ihren Pferden ab, doch ihre Gesichter waren seltsam, ihre Blicke weder erschrocken noch verwundert, was war geschehen, Alpha konnte nicht verstehen, dass sie bei seinem Anblick, nachdem sie endlich gefunden hatten was sie suchen so unbeeindruckt waren. Dann verließen ihn seine Kräfte und er wurde bewusstlos. Als er wieder zu sich kam öffnete er die Augen und fand sich in einem hellen Raum wieder, es war eines dieser Behausungen der Menschen, solche künstlichen Höhlen die sie sich schufen um sich vor der Kälte und vor dem Regen zu schützen. Zuerst dachte er sich sie hätten ihn in einen Käfig gesteckt oder mit Ketten gefesselt doch es schien als könnte er sich frei bewegen. Die Mauern rund um ihn waren aus hellen runden Steinen gebaut und es schien als würden sie das helle Sonnenlicht das zum Fenster herein schien förmlich zu reflektieren. Er wollte sich erheben, doch da kamen ihm die Gedanken zuvor und rissen ihn förmlich zurück, er sah die Bilder wieder vor Augen, er spürte wie sein Arm die Bewegung ausführte, wie das warme Blut in sein Gesicht spritzte und wie Omega zu Boden sank, während sie seinen Namen verzweifelt rief und ihm bis zum letzten Atemzug in die Augen sah. Er spürte wie eine weitere Träne über sein Gesicht lief, da richtete er sich auf und wollte von diesem seltsamen Gestell steigen in dem man ihn platziert hatte. Es war weich ausgelegt und sah aus wie ein riesiges eckiges Nest. Er stieg mit seiner Rechten aus dem Ding das die Menschen Bett nannten, seltsam fühlte sich der glatte Holzboden an, langsam sank sein Blick von dem Fenster zu dem Boden und er sah zum ersten Mal auf seine Krallen. Zuerst hatte er sich vor dem Anblick gefürchtet da er glaubte sie wären noch immer von dem Blut seiner Begleiterin befleckt, doch es kam wesentlich schlimmer. Enorm erschrocken fuhr er durch die Luft, gerade noch einen Schrei unterdrückend und fiel komplett aus dem Bett und landete unsanft auf dem Holzboden. Er lag auf dem Rücken, seine Arme von sich gestreckt, betrachtete er seine Hände in der Luft. Es waren Menschen Hände, sie wirkten so unsagbar klein und schwach, da sah er weiter und hob seine Beine an, sie waren länger als zuvor, er hatte eine ganz andere Statur bekommen. Benommen griff er nach dem Pfosten des Bettes und wollte sich wieder hinauf hieven, doch er schaffte es nicht, immer wieder rutschte er mit seinen Beinen auf dem glatten Holzboden weg. Da sah er dass man ihn mit etwas bekleidet hatte, ein beiges Gewand, wie das dass diese Jäger unter ihren Pelzen trugen. Er betastete seine Beine, seinen Körper und sein Gesicht. Er konnte es jedoch nach wie vor nicht glauben, er war einer dieser, dieser Menschen geworden. Irgendetwas schien ihn enorm zu schwächen, er konnte sich kaum halten und ließ sich auf den Boden sinken und schloss die Augen. Auf dem Rücken liegend wollte er sich in den Boden krallen, was er jedoch mit diesen Menschenhänden nicht mehr vermochte, wieder musste er die Augen öffnen, denn noch immer sah er dieses Bild vor Augen, dieses Blut und die Bewegungen die er ausführte. Da starrte er an die einfache Holzdecke und versuchte seine Gedanken zu beruhigen. Er versuchte sich an das letzte mal zu erinnern wo er so auf dem Rücken lag. Und plötzlich schien zwischen seinen Fingern auf dem Holzboden das Gras hindurch zu wachsen, und so als wäre er dort auf diesem Hügel wie vor einigen Jahren, wehte der Wind über seine Wangen und er spürte wie einige Blütenblätter die von dem Wind getragen wurden seine Beine und auch seine Ohren streiften. Er atmete diesen Geruch ein, der nach Blumen und frischem Getreide duftete, und da drehte er sich zur Seite und blickte in die Gesichter von Omega und von Thefala die neben ihm lagen und das kitzelnde Gras und den Wind genossen. Ihre Flügel sanft von sich gestreckt, versuchten sie sich zu wälzen. Wie eine große Familie waren sie versammelt auf dem Hügel, Thefala, der große Starke, so nannten sie ihn, der Vater von vielen Greif Generationen, blickte mit Stolz auf seine Kinder herab, Omega, die zwar keines von Thefalas Kindern wie Alpha war, daneben Junett, Beta und Delta, zwei weitere Töchter von Thefala und Junett. Da blickte Alpha zum Hübel hinab und sah Helena, seine Mutter, die bei einem kleinen Bach ihren Durst stillte. Die Welt schien in Ordnung, und so legte er sich erneut auf den Rücken und genoss die Sonnenstrahlen. Er wusste bereits damals das wichtigste Gebot aller Wesen und Fabelwesen, ihre Existenz musste um jeden Preis geheim gehalten werden, diesen Gedanken rief er immer wieder ab um ihn ja nicht zu vergessen. Plötzlich erschien Omega vor seinem Gesicht. „Na du Faulpelz? Liegst nach wie vor hier im Gras herum wie all die anderen? Los lass uns ein wenig die Umgebung erkunden!“ Alpha drehte sich rasch um und sprang auf die Beine. „Meinst du hier gibt es irgendetwas Interessantes zu erforschen?“ Omega kam näher und antwortete flüsternd. „Ich glaube schon, sonst hätten sie nicht so darauf gepocht, dass die Gruppe ja zusammen bleiben soll.“ „Aber sollten wir dem nicht auch Folge leisten?“ „Ach Papperlapapp, wir gehen ja nicht weit weg, also was ist?“ „Na gut, wenn du willst Omega.“ Und so gingen sie in Richtung Wald, immer am Ende der Hügelkuppe entlang sodass die anderen nicht sahen wohin sie gingen. Sie erreichten den wunderschönen Laubwald am Ende des Hügels, alles leuchtete in einem strahlenden Grün und die Vögel zwitscherten. „Wirklich ein sehr schöner Ort den du da entdeckt hast Omega.“ „Los lass uns weiter gehen.“ So gingen sie weiter und erreichten eine Lichtung mit einem kleinen Teich in den ein kleiner Bach mündete, in dem Gewässer wimmelte es nur so von Fischen. „Komm’ Lass uns Fischen! Mir knurrt schon der Magen.“ Mit diesen Worten stüzte sich Omega ins kühle Nass, dicht gefolgt von Alpha. Wild herum spritzend, fingen sie einen Fisch nach dem anderen ehe sie sich satt und müde am Rande des Teiches zu einem Nickerchen niederließen. Doch als sie erneut aufwachten war es dunkel geworden und ein dumpfes Grollen war der Vorbote eines heftigen Gewitters. „Oh Nein, wir müssen sofort zurück, wer weiß suchen sie uns schon überall!“ Omega antwortete Alpha mit einem Nicken und sie liefen los, während sie durch den Wald liefen setzte ein starker Regen ein und hie und da erleuchteten Blitze den Wald. „Dieses Wetter jagt mir Angst ein!“ sagte Omega schnaufend als sie den Waldrand erreichten und eine kleine Pause einlegten. „Komm, wir sind gleich da, dann können wir uns zusammen mit den anderen einen Unterstand suchen.“ Sie gingen weiter und erreichten den Hügel, doch weit und breit war niemand zu sehen. „Wo sind sie hin, Alpha? Alpha wo sind sie alle? Sie sind alle weg!“ schluchzte Omega, während Alpha nach wie vor verzweifelt den Horizont absuchte, doch nichts war zu sehen außer Blitze und nichts war zu hören außer Donner. Plötzlich verschwand der Regen um ihn herum und der dunkle Himmel riss auf und verwandelte sich in die kahle Holzdecke, langsam baute sich der Raum um ihn herum auf uns schien all das aus seinem Gedanken zu verschlingen, da vernahm er Schritte von draußen und so drehte er sich um und lag nun auf dem Bauch. Die Tür zu dem Raum lag auf der rechten Seite des Bettes, er jedoch lag links davon und konnte das Bett als Versteck nutzen, er duckte sich und blickte darunter hindurch, gespannt lag sein Blick auf dem unteren Rand der Tür. Die Schritte kamen immer Näher, er wusste nicht ob es Angst war die er verspürte oder ob es etwas anderes war, seine Gedanken, alles in ihm war aufgewühlt und noch immer saß ihm ein tiefer Schmerz und Schrecken im Nacken. Da öffnete jemand die Tür und betrat das Zimmer. Den Stiefeln nach zu urteilen war es derselbe Mann den er auf der Lichtung gesehen hatte und dem er das hier alles zu verdanken hatte. „Hast du dich schon mit deiner neuen Umgebung vertraut gemacht?“ fragte eine Stimme, die er ebenfalls wieder erkannte. Nun erhob er sich, beide Arme auf das Bett gestützt blickte er auf den Mann der nun mit unverhülltem Gesicht vor ihm stand. Er besaß langes schwarzes Haar das er zum Teil zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte, einige Strähnen davon hingen auf seine rechte Schulter herab. Sein Gesicht war kantig und sein Blick nach wie vor uneinschätzbar und finster, eine seltsame Narbe schien auf seiner linken Gesichtshälfte von seiner Stirn bis zu seiner Backe zu verlaufen. „Was bist du?“ fragte ihn Alpha ohne Umschweife. Wie von einem Pfeil getroffen schreckte er zurück als sich der Blick dieses Fremden auf ihn fixierte, es war als würde er ihn durchbohren und so als würde sich dieses Ereignis letzte Nacht wiederholen, sah er erneut die Bilder in seinem Kopf und er blickte auf seine Hände und sie verwandelten sich in blutverschmierte Krallen und alles was er berührte wurde von dem Blut befleckt. Er blickte hin und her, doch egal wo er hinblickte überall war dieses Blut und immer wieder hörte er die Schreie von Omega, da vergrub er sein Gesicht in den Händen und schrie laut auf. „Was bist du?“ Da öffnete er erneut die Augen, der Satz rief ihn zurück aus den Gedanken, er sah hinab zu dem Bettlaken, der wieder weiß war und dann sah er auf seine Hände die wieder sauber waren. „Was bist du?“ fragte der Mann zurück. „Diese Frage wirst du längere Zeit wohl nicht eindeutig beantworten können. Eins sei dir gesagt, du hast deine Freiheit verspielt indem du dich mit den dunklen Mächten eingelassen hast. Diese werden auf Ewig in deinem Kopf herum schwirren ob du es willst oder nicht.“ Alpha sah den Mann an vermied es aber in seine Augen zu blicken. „Was ist da draußen in diesem Wald geschehen?“ fragte er schließlich und der Mann verschränkte seine Arme. „Dazu solltest du erst erfahren warum ich überhaupt zu jenem Augenblick dort erschienen bin. Du bist nun ein Teil dieser Menschenwelt, das heißt du musst dich auch so benehmen und du bist auch ein Teil meines Eigentums, mir hast du es zu Verdanken dass du diesem Dämon entkommen bist und dass das Geheimnis der Wesen auch weiterhin eines ist. Und nun folge mir.“ Der Mann drehte sich um und wollte erneut nach der Tür greifen, da antwortete ihm Alpha. „Das werde ich nicht tun.“ Der Mann zögerte und drehte sich erneut zu Alpha um. „Ich habe euch nicht um diese Tat gebeten.“ Der Mann schien zornig zu werden und ging einen Schritt auf Alpha zu. „Du hast es entschieden!“ brüllte er förmlich und blickte Alpha eindringlich an. Alpha wurde von einer unsichtbaren Macht gepackt und zu Boden geschleudert, doch der Boden war nicht mehr derselbe, er war kalt und rau, es war Schnee, Alpha blickte zur Seite und sah den Mann vor sich im Schnee, dahinter die Stelle an der Omega gelegen hatte und da kam es ihm wieder in den Sinn und er sah sich selbst wie er nickte, wie er diesem Mann das Zeichen gegeben hatte und wie in jener Nacht wurde er bewusstlos. Als er wieder zu sich kam erblickte er ein grelles Licht die Umgebung wackelte seltsam, erschrocken wollte er sich aufrichten, doch es war nicht genug Platz. Wo war er? Er umfasste mit beiden Händen die Holzgitter des Verschlags in dem man ihn gesperrt hatte und blickte sich um, er befand sich auf einem fahrenden Wagen, der von Büffeln gezogen wurde, neben her gingen einige Menschen, dem Aussehen nach zu urteilen einfache Bauern. Der Wagen auf dem er sich befand war nur einer in einer ganzen Reihe von Wagen die sich durch die Landschaft schlängelten. Da hörte er das Getöse von Hufen und er erkannte wer da angeritten kam und neben dem Wagen in dessen Tempo her ritt. „Was geschieht mit mir?“ Rief er zu ihm hinüber, unbewusst rüttelte er dabei an dem Holzgitter. „Mit mir nicht zu kooperieren war ein Fehler.“ Antwortete er und blickte Alpha wieder auf jene Weise an, die ihm gar nicht gefiel, Alpha wollte zurück starren, doch irgendwie hielt er seinem Blick nicht stand und wandte sich ab. „Sag mir deinen Namen und ich werde dir meinen nennen.“ Sagte Alpha schließlich. „Ich kenne deinen Namen bereits.“ Bekam er als Antwort. „Und dennoch wirst du meinen erfahren. Man nennt mich Zerophes.“ Alpha versuchte sich erneut aus all diesen Teilen etwas zusammen zu reiben, dieser Zerophes konnte kein gewöhnlicher Mensch sein, sein ganzes Auftreten und diese Fähigkeiten, diese seltsamen Blicke, irgendetwas stimmte nicht mit ihm. „Ich sehe an deinem Blick dass du erneut rätselst.“ Antwortete Zerophes und wich mit seinem Pferd einem Felsbrocken aus. Alphas Hände glitten vom Holzgitter und er ließ sich zurück sinken. „Wie bin ich in diesen Alptraum geraten.“ Sagte Alpha zu sich selbst und beobachtete die vorbei ziehende Landschaft. Der Schnee fing an sich langsam zurückzuziehen, so als würde die Welt sich häuten, ein seltsamer Anblick, das Gras war in eine widerliche graugrüne Farbe getunkt und der Himmel darüber schien in kaum einladenderen Farben hernieder. „Ihr habt nach wie vor meine Frage nicht beantwortet.“ Sagte er schließlich. „Ich habe den Dorfbewohnern erzählt, dass du für die letzten seltsamen Ereignisse in dieser Gegend verantwortlich bist, und das dies auch der Grund dafür sei, dass wir dich auf dieser blutigen Waldlichtung gefunden haben.“ „Was für Ereignisse?“ „Seit einiger Zeit verschwindet immer mehr Weidevieh auf seltsame Weise, jediglich blutige Spuren im Schnee weisen darauf hin wie sie ihr Ende gefunden haben müssen. Ich habe ihnen erzählt dass du es warst, obwohl ich ziemlich genau weiß wessen Werk dies alles eigentlich ist. Da bereits sehr viel Weidevieh zum Opfer gefallen ist und die Menschen hungern, haben sie ohne Umschweife deinem Urteil zugestimmt, sie bringen dich in die nächst größere Siedlung um dich dort hinzurichten.“ Alpha ballte die Fäuste und starrte auf den Matschverschmierten Boden des Holzverschlages, er versuchte sich zu beruhigen, doch er konnte nicht anders. Er stürzte nach vorne und schlug gegen das Gitter, umfasste es erneut und rüttelte daran, von der Erschütterung wurde der ganze Wagen erfasst und sein Verschlag fiel beinahe vom Wagen, der kurz darauf hin anhielt. „Du hast mich und sie alle belogen! Was bist du, dass du zu solchem im Stande bist?“ schrie Alpha zu Zerophes, dieser blieb ebenfalls wie der Wagen stehen. Alpha blickte erneut in seine Augen und da wurde es ihm klar, je länger sich ihre Blicke kreuzten, desto klarer wurde es ihm und Angst kam ihn ihm auf. Er drängte sich weg von dem Gitter und wich erneut dem Blicken von Zerophes aus. Erst als dieser den Mann neben den Büffeln wieder dazu gebracht hatte weiter zu fahren wagte es Alpha ihn anzusprechen. „Du bist… ein Dämon.“ Doch Zerophes gab nur ein unheimliches Lachen von sich, dann blickte er nach vorne zu der Spitze des Konvois. „Wir müssten bald da sein.“ War seine knappe Antwort. Alpha überlegte, immer hatten ihn alle, vor allem aber seine Mutter und Thefala, vor Dämonen gewarnt, egal welcher Art, egal ob böse oder gut gesindt, man musste sich vor ihnen hüten. Sie handeln nur zu ihrem eigenen Zweck und aus jenem Zweck der ihnen von ihren Erschaffern, den Göttern, mit auf den Weg gegeben worden war. Welchem Zweck oder Gott Zerophes diente konnte Alpha bist dato noch nicht sagen, doch er kooperierte mit den Menschen, dies allein war schon sehr ungewöhnlich und ließ nichts Gutes ahnen. Er musste sich aus dieser misslichen Lage befreien, irgendwie doch es scheiterte bereits an seinen Fähigkeiten, seit dem er dieser, dieser Mensch geworden war, konnte er nicht mehr so wie früher mit einem Schlag Holz zerbersten. Für einen Moment war Ruhe eingekehrt und Zerophes hatte seinen Blick abgewandt. Er betrachtete eine Gruppe von Reitern die nach vorne preschten. Es waren Hunnen Krieger, Zerophes wusste genau wer diese Männer waren, zwei von ihnen hatten ihn am Vortag bei ihrer Jagd nach diesen Bestien durch den Wald begleitet. Ob sie etwas von Yokomos Existenz wussten? Doch nichts sagend schüttelte Zerophes den Kopf, entweder mussten diese Menschen enormes Wissen besitzen oder Yokomo extrem dumm geworden sein um sich so leicht zu verraten. Zerophes wusste nicht viel über seine eigene Existenz, jedoch war der Kontakt zu seinem Meister und Schöpfer längst abgebrochen, da dieser diese Welt schon lange verlassen hatte und ihr und all ihren Kreaturen den Rücken gekehrt hatte. Zuerst verfluchte Zerophes seine Existenz, er war kein Gott, er konnte sich nicht aus dieser Welt, aus dieser Ebene begeben so wie es ihm beliebte und so lebte er dahin, versteckt, dies und jenes suchend bis er einen neuen Weg einschlug. Zufällig stieß er bei einer Reise ins Persische Reich auf ein Dokument, dies besagte, dass es einem Dämon möglich war ein Gott zu werden, und dies noch dazu ohne Glaube. Ein Gott konnte seine Macht nur durch den Glauben der Menschen erhalten und auch behalten, verloren die Menschen jedoch ihren Glauben in die einzelnen Götter, so verließ diese auch ihre übermenschliche Macht und sie begaben sich in ihr eigenes Reich. Doch ein Gott zu sein, mit all der Macht unabhängig von Glauben, dieser Gedanke ließ das Feuer in Zerophes erneut entfachen, ein tiefes Verlangen in ihm zwang ihn förmlich zu diesem neuen Schritt. Dem Dokument zu Folge konnte sich ein Dämon mit Hilfe von Bannsprüchen die Macht anderer besiegter Dämonen annehmen, auf diese Weise konnte man soviel Macht ansammeln, bis man so mächtig war um sich selbst einem Gott entgegenzustellen. Von da an war Zerophes auf der Suche, auf der Suche nach anderen Dämonen, nur mit diesem einen Ziel, das zu werden was er nie werden hätte können, ein Gott. Zeit genug gab es für ihn, sein Leben war nicht begrenzt wie das der Menschen oder der Kreaturen, wie die Wesen war ihm ein ewiges Leben vergönnt, solange man es ihm nicht auf spezielle Weise entzog. Wesen und Fabelwesen so wie Greife konnte man hingegen recht leicht ihres ewigen Lebens berauben, so waren sie zwar stark aber ebenso empfindlich gegen Waffen wie jedes andere Tier oder jeder andere Mensch. Zerophes verfolgte nun schon länger die Spur von Yokomo, einem Wolfdämon, der die Heimat der Hunnen heimsuchte. |